Kaulquappennebel
auch bekannt als NGC 2174
Der Kaulquappennebel ist ein beeindruckendes Emissionsnebel-Areal im Sternbild Fuhrmann. Inmitten dieser kosmischen Wolke liegt der junge, offene Sternhaufen NGC 1893, dessen massereiche Sterne das umgebende Gas zum Leuchten bringen. Das markanteste Merkmal dieses Nebels sind die zwei namensgebenden „Kaulquappen“ – dichte Gas- und Staubstrukturen, die sich als Zentren aktiver Sternentstehung durch den Raum ziehen.
1. Steckbrief & Bezeichnung
- Katalogbezeichnung: IC 410 (Nebel), NGC 1893 (Sternhaufen)
- Sternbild: Fuhrmann (Auriga)
- Entfernung: Ca. 12.000 Lichtjahre
- Wahre Ausdehnung: Ca. 100 Lichtjahre
- Scheinbare Helligkeit: 7,5 mag
- Belichtungszeit: 11h 20m
2. Entdeckung
Während der eingebettete Sternhaufen NGC 1893 bereits im 19. Jahrhundert katalogisiert wurde, offenbarte erst die moderne Schmalband-Astrofotografie die filigranen Strukturen der Gaswolken. Die namensgebenden „Kaulquappen“ sind Paradebeispiele für die erosive Kraft junger Sterne, die das Material ihrer Geburtswolke formen.
3. Der Ursprung & Die Komponenten
IC 410 ist ein dynamisches Labor der Sternentstehung, geprägt durch das Zusammenspiel von Strahlung und Materie:
- Die „Kaulquappen“: Diese zwei markanten Strukturen sind etwa 10 Lichtjahre lang. Sie bestehen aus kühlerem, dichterem Gas und Staub. Ihre „Schweife“ zeigen vom Zentrum des Sternhaufens weg, da sie durch die starken Sternwinde und den Strahlungsdruck der massereichen Sterne in NGC 1893 geformt wurden.
- NGC 1893: Dieser offene Sternhaufen ist das energetische Zentrum. Die dortigen Sterne der Spektralklasse O sind so heiß, dass ihre ultraviolette Strahlung das Wasserstoffgas in der Umgebung ionisiert und es im charakteristischen Rot leuchten lässt.
4. Visuelle Erscheinung
In der Astrofotografie wird der Kaulquappennebel oft mit Schmalbandfiltern aufgenommen, um die feinen Details der H-Alpha- und OIII-Emissionen sichtbar zu machen. Während der Nebel visuell durch ein Teleskop nur unter sehr dunklem Himmel als schwacher Schimmer erkennbar ist, zeigt die Langzeitbelichtung ein komplexes Geflecht aus leuchtenden Filamenten und tiefschwarzen Staubsäulen, die dem Gebiet eine beeindruckende Tiefe verleihen.
Das Deepskyfoto ist zusammengesetzt aus 6 Einzelbildern. Dafür verwende ich eine schwarzweiß Astrokamera (ASI533MM) ohne Farbfilter vor den einzelnen Pixeln. Vor dieser befindet sich ein Filterrad mit 6 Filtern um dann im Anschluss wieder ein Farbbild aus den Einzelaufnahmen zusammen zu setzen.
- Breitbandfilter (RGB):
- R (Rot), G (Grün), B (Blau): Erfassen das gesamte sichtbare Spektrum in diesen drei Farben.
- Ziel ist die Erfassung der natürlichen Farben der Sterne.
- Schmalbandfilter (SHO-Palette):
- Hα (Wasserstoff-Alpha): Isoliert das Licht des ionisierten Wasserstoffs (der stärkste Emitter in vielen Nebeln).
- OIII (Sauerstoff III): Isoliert das Licht von dreifach ionisiertem Sauerstoff.
- SII (Schwefel II): Isoliert das Emissionslicht von doppelt ionisiertem Schwefel.
- Ziel ist die Erfassung feiner Details und Gasstrukturen in Emissionsnebeln durch die schmaldbandigen Filter. Ebenfalls bin ich dadurch in der Lage die hohe Lichtverschmutzung in Würzburg zu reduzieren
- Ziel ist die Erfassung feiner Details und Gasstrukturen in Emissionsnebeln durch die schmaldbandigen Filter. Ebenfalls bin ich dadurch in der Lage die hohe Lichtverschmutzung in Würzburg zu reduzieren
- Stacking SHO: Alle Einzelbilder jedes SII, Hα und OIII Filters werden separat gestackt (gemittelt), um drei monochrome Master-Bilder zu erhalten.
- Kanalzuweisung (Hubble-Palette): Die Master-Bilder werden in ein Farbbild kombiniert, wobei die Kanäle in einer sogenannten Falschfarben-Palette zugewiesen werden. Die klassische Hubble-Palette ist:
- Rot-Kanal ← SII
- Grün-Kanal ← Hα
- Blau-Kanal ← OIII
- Stacking RGB: Die R-, G- und B-Aufnahmen werden separat gestackt, um drei monochrome Master-Bilder zu erhalten.
- Kanal-Kombination: Die Master-Bilder R, G und B werden zu einem natürlichen Farbbild der Sterne kombiniert.
- Der finale Schritt ist die Verschmelzung der beiden Ergebnisse:
- Das SHO-Nebel-Bild wird bearbeitet, um die Struktur und Farbdetails herauszuarbeiten.
- Die Sterne aus dem SHO-Bild werden entfernt , da sie unnatürliche Farben aufweisen.
- Die Sterne aus dem RGB-Bild (mit ihren natürlichen Farben) werden extrahiert und dem SHO-Nebula-Bild hinzugefügt. Dies ergibt ein Endergebnis, das sowohl die tiefen Strukturen des Nebels als auch die natürlich leuchtenden Sternfarben zeigt.
Belichtungszeit
Aufnahmedatum: 18./19./20.01.2026
| Filter: | Zeit in sec: | Anzahl: |
| R | 30 | 30 |
| G | 30 | 30 |
| B | 30 | 30 |
| SII | 180 | 60 |
| Ha | 180 | 47 |
| OIII | 180 | 105 |
| Gesamtzeit: | 11h 20m |
| Teleskop: | TS-Optics CF-APO 90mm f/6 |
| Kamera: | ZWO ASI533MM |
| Montierung: | ZWO AM3 |
| Filter: | ZWO Red |
| ZWO Green | |
| ZWO Blue | |
| ZWO H-alpha 7nm | |
| ZWO O-III 7nm | |
| ZWO S-II 7nm | |
| Zubehör: | TS-Optics TSCFlat90 |
| ZWO ASIAIR Plus | |
| ZWO EFW 7 x 36mm | |
| ZWO EAF | |
| Software: | PixInsight |